W e r b e l n
W e r b e l n

Vorwort

Domanialschulen entstanden in der Folge des Ersten Weltkriegs im Saargebiet, das von 1920 bis 1935 gemäß der Artikel 45 bis 50 des Versailler Vertrags (dort als „Territoire du Bassin de la Sarre“ bezeichnet) vom Völkerbund regiert wurde. Dieser erteilte 1920 das Mandat zur Verwaltung des Saargebiets an Frankreich, das damit auch das Recht erhielt, im Saargebiet eigene Schulen zu unterhalten. 

Diese ursprünglich für die Kinder der Beschäftigten der französischen Grubenverwaltung (Administration des mines domaniales françaises) gedachten Schulen, sind als Domanialschulen bekannt und wurden von der französischen Bergverwaltung zum Teil auch für deutsche Volksschulkinder geöffnet oder speziell für diese eingerichtet.

Die Domanialschule

Werbeln-Schaffhausen

Autor Siegfried Bach

Auszug aus dem Heimatgeschichte-Heft Nr. 1

"Die Grube Hostenbach mit ihren Domanialschulen"

Allgemein Politisches

 

Nach dem verlorenen 1. Weltkrieg wurden die Grenzen des Saargebietes  neu gezogen, wiewohl es das alte Saargebiet, wie wir es heute kennen, damals nicht gab. Um das, worüber berichtet wird, besser verstehen zu können, ist es hilfreich, wenn man einen Blick auf die nachfolgenden Karten wirft. Sie zeigen nicht nur die Grenzen des Landes, sondern auch die Standorte, an denen französische Schulen (Grubenschulen) eingerichtet waren.

 

Die Grenzen des Saargebietes sind im Saarstatut geregelt worden. Darin wurde die Zusammenlegung der ehemals preußischen Kreise Saarbrücken, Ottweiler und Saarlouis und von Teilen der Kreise Merzig und St. Wendel mit den ehemals bayerischen Bezirksämtern Homburg und Zweibrücken zum Saargebiet erklärt.

 

Am 21. und 22. November 1918 waren die letzten deutschen Truppen aus Saarlouis und am 23. November die aus Saarbrücken abgerückt. Die deutschen Verwaltungseinheiten wurden Anfang 1919 von der französischen Militärbehörde abgelöst, welche mit gelegentlich erheblichem Druck französischen Einfluss auf die Einrichtungen des Staates sowie die Bevölkerung ausübte. Als eine Maßnahme gehörte dazu, im Kreis Saarlouis in sämtlichen Schulen die französische Sprache als Pflichtfach/Unterrichtsfach einzuführen. Erste Versuche der Französisierung also, die auch nicht endeten, als das Militärregime von der Genfer Regierungskommission am 21. Februar 1920 abgelöst wurde.

So kam es, dass sich im Saargebiet nach Ende des Ersten Weltkrieges das durch den französischen Staat ins Leben gerufene Deutsche und Französische Schulsystem entwickelten. Paragraph 14 des Friedensvertrages erlaubte es, in Grubenstandorten Schulen zu gründen. Diese Bestimmung Iautete wie folgt:

 

Der französische Staat kann jederzeit als Nebenanlagen der Gruben Volksschulen oder technische Schulen für das Personal und die Kinder des Personals gründen und unterhalten und den Unterricht darin in französischer Sprache nach einem von ihm festgesetzten Lehrplan durch von ihm ausgewählte Lehrer erteilen lassen.

 

Eigentlich sollten nur die Kinder französischer Arbeitnehmer dazu gehören. Da diese Bestimmung nicht klar definiert war, nahm die französische Regierung die Gelegenheit wahr, Primärschulen zu gründen, die auch den saarländischen Kindern offenstanden und in denen der Unterricht in französischer Sprache besonders gefördert wurde. Diese Schulen traten daher in Konkurrenz zu den bestehenden saarländischen Grundschulen.

 

Wie gesagt, der französischen Bergverwaltung ,,Service du Contröle des Mines du Bassin de la Sarre" unterstanden die französischen Schulen, von denen es rein französische gab, in denen französische Lehrer lehrten und französische Volksschulen für deutsche Kinder.

Die Saarländer sollten dem Statute nach zwar ihre Sprache behalten, trotzdem aber wurde auf das Erlernen der französischen Sprache, mit Blick auf eine ,,Francisation" der saarländischen Bevölkerung hingewirkt.

Peter Lempert schreibt dazu15: ,,Man ließ sich die Schulpolitik etwas kosten, wurde sie doch als dasjenige lnstrument zur Beeinflussung der Bevölkerung angesehen, das den sichersten Erfolg zu gewährleisten schien."

Der Bergverwaltung war die Errichtung von Schulen dadurch er-leichtert, weil zuvor schon vom preußischen Bergfiskus eingerichtete Nebenanlagen, wie Kleinkinderschulen, Haushaltungsschulen, Werk-schulen, Bergvorschulen sowie Bergschulen vorhanden waren.16 Es wurden jedoch zu diesen auch neue Schulgebäude an unter-schiedlichen Orten im Saargebiet errichtet.

 

Mit der Einrichtung der Schulen ging auch die Anwerbung von Schülern einher. Das geschah, indem man mit kostenloser Schul-ausrüstung, Taschengeld, Kleidern, und 'Weihnachtsgeschenken warb und denjenigen Eltern eine günstige Behandlung wie z. B. das Wohnen in Grubenhäusern angedeihen ließ, die ihre Kinder auf französische Schulen gehen ließen. Man bemühte sich, über die bei der Grube beschäftigten Bergleute möglichst viele Kinder, aber auch solche von Nichtbergleuten, in diese Schulen zu bekommen.

Wie in dem Buch ,,Das Saar Buch" geschrieben steht, genossen die Schüler der französischen Schulen neben den o.g. Vergünstigungen und wirtschaftlichen Unterstützungen auch das Privileg, mit einem Auto zur Schule gebracht zu werden, so wie es das nachfolgend abgebildete Foto dokumentiert.

15  ln ,,Das Saarland den Saarländern" - dme Köln 1985, S.71-14.

16  Friemond Kurt: Französische Schulen im Warndt.

Neben den Schülern selbst versuchte man auch deren Eltern für die französische Sprache zu gewinnen. Es wurden daher Sprachkurse zum Erlernen des Französischen angeboten, später sollte es zur Gründung von Elternvereinigungen kommen, auf deren Stimmen die franko-philen Gruppen hofften. Einrichtung und Unterhalt dieser Schulen verursachten erhebliche Kosten.

Das Budget, das den "Mines Domaniales" dafür zur Verfügung stand, wurde von drei Pariser Ministerien, dem Außen- und dem Finanz-ministerium sowie dem Ministerium für öffentliche Arbeiten, überwacht.17

Es belief sich im Jahre 1921 auf mehr als 4,8 Millionen Francs, 1922 auf fast 8 Millionen Francs18 und war 1932 auf fast 11,5 Millionen Francs jährlich gestiegen.19 Das hier verausgabte Geld fehlte natürlich an anderer Stelle, so z. B. dass die "Mines Domaniales" sich niemals ihren Wunsch erfüllen konnten, eine eigene Zeitung herauszugeben, ,,wenn man von dem einmal jährlich erschienenen "Saarbrücker Bergmannskalender" absieht, heißt es.20

17 Note der DirdAff. P. et C. vom 2.3.L923. MindAffEtr. DirdAff. P. et C. No. 7.

18 ebenda.

19 Bericht über die Entwicklung der französischen Schulen vom 31.12.1931; MindAffEtr. DirdAff. P.

   et C. No. 300: Ecoles frangaises.

20 Siehe dazu: Baldauf, a.a.O. S. 59-63.

Die Domanialschule Werbeln-Schaffhausen

ln seiner Veröffentlichung betr. die Domanialschule Hostenbach hat Kurt Friemond auch eine solche in Werbeln erwähnt. Er schreibt, dass diese Schule im Jahr 1931 in Werbeln in einem ehemaligen Wirtshaus des Schachtes gegründet worden ist, die, so meint er, der Hostenbacher Schule sicherlich einige Schüler und Schülerinnen weggenommen hat.

 

Dass dort eine solche bestand, ist damit zu erklären, dass in Werbeln die Grube Hostenbach einen Schacht mit den dazu notwendigen Anlagen errichtet hatte. Was liegt also näher als auch dort eine Domanialschule für die Werbelner und evtl. auch Differter Kinder zu einzurichten.

Zur Ergänzung ist aber noch anzumerken, dass diese Schule - eine Dependance der Hostenbacher Grubenschule - bereits schon im Jahr 1924 bestanden hat.

Das lässt sich aus einer Notiz im Buch ll. der Schulchronik von Wadgassen Seite 339 – 340 festmachen. 

Der Unterricht fand in einem auf der Schachtanlage Werbeln befindlichem Gebäude statt.

(siehe hierzu auch "Die Geschichte der Schule(n) in Werbeln" - Erwähnung eines 3. Schulsaales auf dem Grubengelände)

Zeitweilig wurde jedoch auch in einem Nebenraum des "Gasthauses von Michel Zang" unterrichtet.

(siehe nachfolgende Bilder)

Werbeln in Totalansicht aus einer alten Postkarte; im Vordergrund die Schachtanlage mit Förderturm und Gebäuden. In einem derselben befand sich die Domanialschule. 

Ansicht der Schachtanlage aus Blickrichtung Differten

"Gasthaus von Michel Zang".

Auch hier wurde, in einem Nebenraum der Gaststätte, zeitweilig unterrichtet.

Die Karte stammt aus dem Aufsatz von Kurt Friemond: ,,Französische Schulen im Warndt und Völklingen 1920 bis 1935" S. 7. Diese Karte weist u.a. auch auf den Standort einer Domanialschule in Schaffhausen-Werbeln hin.

Neben obiger Karte von Friemond findet sich auch ein Hinweis auf das Bestehen der Domanialschule in Werbeln in der Schulchronik von Wadgassen. Es ist eine Notiz, die im Zusammenhang mit der Erkrankung einer Lehrperson an der kath. Volksschule Wadgassen steht, für die Ersatz durch eine Vertretung geschaffen werden sollte.

 

Es steht dort:

Daraufhin wurde am 31.01.1926 Frl. Barbara Abel aus Differten Jr. No 22 mit der Vertretung beauftragt, konnte aber diese nicht antreten, weil der Franzose sie nicht „frei“ gab von der französischen Domanialschule Werbeln, an der sie bis dato angestellt war und verblieb.

 

Die Schüler an der Domanialschule Werbeln rekrutierten sich wohl aus dem Ort Werbeln selbst.

So ist belegt, dass im Jahr 1924 Kinder aus dem benachbarten Ort Differten diese besuchten.

Auch solche aus dem Schaffhauser Ortsteil ,,Schäferei“ der ja räumlich bezogen Werbeln nahe ist, könnten dazu gehört haben, auch ein Teil der Kinder aus dem westlichen Schaffhausen.

Nachweislich sind von der einklassigen Volksschule Werbeln im Jahr 1925 19 Abgänge und im Jahr 1926 ein Abgang zur Domanialschule zu verzeichnen.

Für Differten sind Abgänge zur Domanialschule im Jahr 1924 zwei und einer im Jahr 1925 zu verzeichnen. Friemond erwähnt, dass im Jahr 1930 28 Kinder eingeschult waren, im Jahr 1934 seien es 30 gewesen, alle aus Schaffhausen und Werbeln.

Weitere Veröffentlichungen des Autors:

  1. Der Binnenschiffer H.D. Ney aus Schaffhausen
  2. 50 Jahre Sportfreunde Hostenbach
  3. Über 100 Jahre Post in Hostenbach
  4. Die Schlackenberge bei Hostenbach
  5. Geschichte des Trinkwassers Hostenbach
  6. Tödliche Fracht - Bombenabwürfe und ihre Folgen
  7. Daheim und in der Fremde – von den Evakuierungen
  8. 90 Jahre Pfarrkirche Herz Jesu Hostenbach
  9. Zeit und Zeitung – ein Buch (930 Seiten), das Zeitgeschehen aus Zeitungen von 1913  an über Bous, Differten, Friedrichweiler, Hostenbach, Schaffhausen, Wadgassen und Werbeln enthält.
  10. Von Fähren entlang der Saar - Teil 1 - Von der oberen Saar bis nach Völklingen
  11. Von Fähren entlang der Saar - Teil 2 - Von Völklingen bis zur Mündung in die Mosel
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