W e r b e l n
W e r b e l n

Werbeln – kleiner Ort an einer großen Grenze

 

von Bernd Hartmann

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Schon in der Jungsteinzeit, als die Menschen langsam sesshaft wurden, begannen sie, ihren Lebensraum und Grundbesitz zu markieren. Natürliche Marken wie Flüsse, Bäche, Gebirge, Felsen, Bäume, Gräben und dergleichen dienten zunächst als Begrenzungsmerkmale. In unserer Region waren es etwa ab 470 n.Chr. die Franken, welche hier sesshaft wurden und ihre Gebiete markierten. Einzelne historische Funde legen Zeugnis ab von Besiedlungen aus alter Zeit, etwa der Römer und später der Germanen. Karl der Große (742-814) setzte die Grenzziehungen fort und teilte sein Reich in Gaue (Grafschaften).

 

Wir wissen von verschiedenen Schenkungen, wo unsere Region (Saargau) des öfteren Besitzer und Hoheitsbereiche wechselten. So war es auch eine Schenkung im Jahre 1214, worin in Verbindung mit einem Hörigen, Erwin von Wervelle mit Frau Ida und Kinder, der Ort Werbeln nach bisheriger Kenntnis erstmals genannt wurde. Etwa ab 1375 waren alle Güter von Werbeln in den Bestand der Prämonstratenserabtei Wadgassen überführt, deren Kerngebiet später als „Meyerei Hostenbach“, mit den Ortschaften Schaffhausen, Werbeln,  Hostenbach und dem Hof Spurck verwaltet wurde. Wie einige historische Grenzsteine bezeugen, lag das Abteidorf Werbeln direkt an der Grenze zum Herzogtum Lothringen und der Grafschaft Nassau-Saarbrücken und geben Zeugnis einer bewegten Geschichte.

 

Als ältester Grenzstein in unserer Region ist auf dem nahen „Geisberg“ der sogenannte „Raue Stein“ (Rauhe Stein) bekannt, der schon im Weistum von Lisdorf von 1458 erwähnt wird. Er markiert die Grenzen von Wadgassen, Differten und der „Forweiler Hufe“. Ob eine direkte Verbindung zur Lothringer Grenzlinie auf der „Schäferei“ bei Werbeln bestand, ist bisher nicht begründet, obwohl einige Anzeichen dafür sprechen. Dort, am Fuße des „Schäfereiberges“, findet man ein bemerkenswertes Grenzstein-Exemplar von 1757. Nach Norden ist der Abteistab in einem  „W“ (Abtei Wadgassen) und auf der Rückseite das „Lothringer Kreuz“ (Herzogtum Lothringen) als Hoheitszeichen ersichtlich. 

 

Weitere Markierungen weisen auf den örtlichen Grenzverlauf hin. Die heutige Banngrenze zu Differten, verläuft in diesem Bereich, vom „Lattersberg“ entlang dem „Schäfereiberg“ (Fa. Schenking) hinunter zur Bist und hinter der „Nachtweide“ hoch, entlang der „Hardt“, bis zur „Hunau“ (Ecke Lothringerstr./Birkenweg).

 

Gehen wir von dort Richtung Ludweiler bis zur süd-östlichen Banngrenze, hinter der Ludweiler-Brücke - hier stand einst eine markante Eiche - , so findet man im Verlauf des „Werbelner Bachs“ (Mühlenbach) einige Grenzsteine, welche bereits 1769 gesetzt wurden. Sie resultieren aus den schwierigen und langjährigen Gebietsverhandlungen zwischen der Grafschaft Nassau-Saarbrücken und der Abtei Wadgassen, welche im Tauschvertrag von 1766 in Bockenheim ihren Abschluss fanden. Werbeln gehörte jetzt nicht mehr zum damaligen „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“, sondern war ein direkter Grenzort vom Königreich Frankreich. Auf den noch zahlreich vorhandenen Grenzsteinen dieser Grenzmarkierung, welche sich hier von Hostenbach kommend, über Ludweiler in Richtung Creutzwald erstreckt, werden diese Hoheitsmerkmale mit der Wolfsangel und den Buchstaben „NS“ (Nassau-Saarbrücken), bzw. der „Bourbonenlilie“ ausgewiesen.

 

Nach der Gebietsübernahme von 1815, durch den Sieg der Preußen über das napoleonische Frankreich, wurde Werbeln wieder dem Deutschen Reich zugeordnet. Die Preußen nutzten die alten Grenzsteine teilweise weiter; jetzt mit den einfachen Markierungen „KW“ (Königlicher Wald) und „F“ (Feld).  Sie ordneten die Gemeindegebiete und Flure, etwa um 1830, mit kleineren Grenzsteinen neu. Das Saargebiet gehörte nun zur Rheinprovinz.

 

Somit befinden sich im Bereich von Werbeln historische Grenzsteine aus drei Epochen, die auch heute noch meistens „aktive Grenzen“ markieren und durch entsprechende Gesetze geschützt sind. Auch nach den preußischen Grenz- und Flurbereinigungen wechselten, jeweils nach den beiden furchtbaren Weltkriegen im vergangenen Jahrhundert, mehrmals Herrschaften und Verwaltungen in unserer Region. Dem Verantwortungsbewusstsein unserer Landes- und Kommunalpolitiker war es zu verdanken, dass auch bei der jüngsten Gebietsreform (1974), die aus der historisch gewachsenen Klostergemeinde gewachsene Gemeinschaft, in der neuen Großgemeinde Wadgassen zusammen bleiben konnte, zu denen sich bereits vor Jahren unsere Nachbarorte Differten und Friedrichweiler gesellt hatten.

 

Eine letzte politische Angliederung erfolgte, mit Wirkung vom 02. Juli 1984, mit dem Anschluss des Schaffhausener Ortsteils „Schäferei“ an Werbeln, der auf die Initiative und Beharrlichkeit ihrer Bewohner und kommunalpolitischen Befürworter zurück zu führen ist.

 

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