W e r b e l n
W e r b e l n

Geschichte des Dorfes Werbeln

Johannes Peter Walter

 

 
1214 Der Ort Werbeln wird erstmals schriftlich in einer Schenkungsurkunde an die Abtei Wadgassen erwähnt. Funde von Steinbauten lassen jedoch darauf schließen, daß bereits zur Römerzeit in Werbeln eine Siedlung bestanden hat. 
   
1375 Nachdem im Laufe der Jahre immer weitere Teile von Werbeln in den Besitz der Abtei Wadgassen übergingen, wird der Ort in die klösterliche Verwaltungseinheit eingegliedert. 
   
1385 Im Einkunftsverzeichnis der Abtei wird eine „Schäferei“ in Werbeln erwähnt.
   
1553 Heeresteile Kaiser Karls V. ziehen durch das Gebiet der Abtei und hinterlassen leere Ställe und Scheunen.
   
1568 Mehrere protestantische deutsche Reichsfürsten kommen den Hugenotten in Frankreich mit Heeresmacht zur Hilfe, wobei die Abtei Wadgassen und ihre Dörfer als katholische Institution schwer zu leiden haben.
   
1571 Geusen, niederländische Aufständische im Kampf gegen den spanischen König Philipp II. überfallen in der Nacht die Abtei und ihre Dörfer. Sie rauben alle Wertsachen, darunter auch unersetzliche Kunstschätze. Abt Seyfried stirbt am 05. Dezember an den Folgen der erlittenen Misshandlungen. Nachfolger wird der aus Werbeln stammende Adam Werbel.
   
1618 Beginn des Dreißigjährigen Krieges
   
1625 – 1627 In und um Wadgassen wird das kaiserliche Regiment Kratz einquartiert. Die „Kratzischen Völker“ leben hier fast zwei Jahre auf Kosten der Bauern, belästigen und peinigen die Bevölkerung und fügen den Wadgasser Dörfern unermesslichen Schaden zu.
   
ab 1635 Die schlimmste Phase des Krieges beginnt. Immer neue Heerhaufen mit Schweden, Franzosen, Weimarischen und Kaiserlichen ziehen plündernd und mordend durch die Region. Säen und Ernten ist für die wenigen Überlebenden sinnlos. Teile, vor allem der jüngeren Bevölkerung, schließen sich den durchziehenden Heerhaufen an oder flüchten. Hunger und Seuchen tun ein Übriges, so daß die Bevölkerung fast komplett ausgerottet wird. 
   
1648 Der Abt der Abtei Wadgassen Philipp Gretsch beschreibt die trostlose Lage der Abtei und ihrer Dörfer. Er erwähnt auch einen Mann mit Namen Hans, der nicht wie die anderen das Land habe verlassen wollen und in Werbeln geblieben sei. Der Hunger habe diesen dazu getrieben, Menschen totzuschlagen und zu essen. Damit findet die alte Werbelner Überlieferung vom Menschenfresser Hans Mohr ihre geschichtliche Bestätigung. 
   
1648 – 1668 Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges liegt das Werbelner Land lange Jahre ungenutzt da und verwildert immer mehr. Das ursprüngliche Dorf, das sich auf der Anhöhe zwischen dem Bisttal und dem Tal des Mühlenbaches befunden hatte, existiert nicht mehr.
   
1668 Zuwanderer aus Tirol, zumeist Holzfachleute, treffen in der Region ein. Einer von ihnen mit Namen Christian Bartz gibt den Anstoß zum Bau einer Sägemühle in Werbeln.
   
1669 Die Sägemühle ist fertiggestellt und nimmt ihren Betrieb auf.
   
1684 Zwischen der Abtei Wadgassen und dem Kaufmann Pierre Liot, einem Hugenotten aus Ludweiler, wird ein Vertrag zum Bau einer Glashütte in Werbeln geschlossen.
   
1687 Der Bau der Glashütte, bestehend aus Hüttenhaus mit Öfen, Lagerhaus, Schuppen und Scheunen sowie elf Wohnhäusern für die Glasmacher, ist abgeschlossen.
   
1688 Nachdem sechs Glasmacher aus Lothringen verpflichtet werden konnten, nimmt die Glashütte ihren Betrieb auf.
   
1692 Der Wiederaufbau des Hofgutes in Werbeln wird abgeschlossen. Es liegt nun in der Nähe des Sägewerkes. Das alte Hofgut in der „Kapellerheck“ war im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden.
   
1707 Einige Glasmacher verlassen mit ihren Familien Werbeln, nachdem sie vom Grafen von Saarbrücken für die in Lauterbach neu errichtete Glashütte abgeworben wurden.
   
um 1715 Die „Schäferei“ in Werbeln erhält ein eigenes Gebäude als Unterbringungsmöglichkeit für die Schäfer und Teile des Viehs.
   
1720 Die Glashütte in Werbeln stellt endgültig die Produktion ein.
   
15.02.1766 In einer Tauschaktion tritt die Grafschaft Nassau-Saarbrücken die Abtei Wadgassen mit allen Besitzungen links der Saar an Frankreich ab.
   
um 1775 Johannes Ahr eröffnet das erste Gasthaus in Werbeln.
   
1790 In der Nacht vom 02. zum 03. April brennt die Sägemühle in Werbeln nieder. Bei dem Brand sterben der Sägemüller und seine Frau. Auch ein Soldat eines in der Gegend liegenden Regiments kommt bei dem mutigen Versuch, die beiden alten Leute zu retten, ums Leben. Das Gebäude wird zwar wieder hergestellt, aber fortan als Getreidemühle genutzt.
   
1792 Am 05. September müssen die Wadgasser Chorherren ihr Kloster verlassen. Die Wadgasser Abtei wird im Zuge der französischen Revolution aufgelöst. In der darauffolgenden Zeit erleben die Einwohner der Wadgasser Dörfer die Bauernbefreiung. Den Bauern wird das Acker- und Wiesenland, das ihnen vom Kloster zugewiesen worden war, mitsamt den Hofstellen als Eigentum übertragen.
   
1815 Im zweiten Pariser Frieden kommt das Saarland zu Preußen. Nach preußischem Muster werden nun Bürgermeistereien eingerichtet. Werbeln wird, zusammen mit den Dörfern Friedrichweiler, Hostenbach, Schaffhausen und Wadgassen, der Bürgermeisterei Differten zugeteilt. 
   
nach 1815 Während es bis 1815 in den Dörfern der Region überwiegend Berufe gab, die landwirtschaftlich geprägt waren (Bauern, Müller, Hirten, Tagelöhner) tritt nunmehr der Beruf des Bergmanns in Erscheinung. Die Bergleute arbeiten auf der Grube Hostenbach und betreiben die Landwirtschaft nur noch im Nebenerwerb.
   
1861 Werbeln wird zu einer eigenständigen Gemeinde.
   
1877 Bau einer Eisenbahnverbindung von Teterchen in Lothringen nach Bous. Die Gleise führen an Werbeln  vorbei durch das Bisttal. Beim Bau wird im Bereich der „Schäferei“ ein römischer Brunnen freigelegt.
   
01.04.1880 Die eingleisige Bahnstrecke wird zunächst nur für den Güterverkehr geöffnet.
   
01.07.1883 Freigabe der Bahnstrecke für den Personenverkehr.
   
1888 Der Ort erhält eine eigene Schule. Sie besteht zunächst nur aus einem einzelnen Schulsaal und einer Lehrerwohnung mit Garten. Als erster Lehrer übernimmt Herr Meeß die Schule bis zum 01.10.1912.
   
1901 In der „Kapeller Heck“ wird ein Versuchsschacht bis in 60 m Tiefe abgeteuft. Da man auf keine nennenswerten Kohlenfunde stößt werden die Arbeiten eingestellt.
   
1917 Der Werbelner Schacht wird abgeteuft. Er steht mit der Grube Hostenbach in Verbindung. 
   
28.06.1919 Als Folge des 1. Weltkrieges wird im Friedensvertrag von Versailles das Saargebiet unter französische Verwaltung gestellt. Frankreich hatte vor allem wirtschaftliches Interesse an den Kohlegruben und Stahlwerken an der Saar.
   
10.11.1919 Im Schacht Werbeln wird die Kohleförderung aufgenommen. Bis zu 300 Bergleute fahren täglich dort ein.
   
17.06.1923 Grundsteinlegung zum Bau der Pfarrkirche Werbeln.
   
22.02.1924 Die offizielle Genehmigung für den Kirchenbau wird erteilt, obwohl der Rohbau einschließlich Dach schon fertiggestellt ist.
   
15.06.1924 Am Dreifaltigkeitssonntag wird die Pfarrkirche Werbeln eingeweiht. Kirchenpatron ist der Heilige Sankt Antonius.
   
03.08.1924 Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Werbeln.
   
1925 Werbeln erhält eine eigene Pfarrbücherei, in der zunächst die amtierende Lehrerin, Frl. Schmidt, für die Ausleihe zuständig ist.
   
06.05.1928 Der Friedhof in Werbeln wird eingeweiht.
   
1932 Schließung der Grube Hostenbach einschließlich des Schachtes in Werbeln.
   
13.01.1935 Die saarländische Bevölkerung stimmt mit überwältigender Mehrheit für die Rückkehr des Saargebietes in das Deutsche Reich.
   
1936 Bau des Bahnhofes (Haltepunktes) Werbeln. Bei den hierzu durchgeführten Erdarbeiten stößt man auf ein römisches Grab, in dem sich ein Schwert, eine Opferschale aus Ton und 8 – 9 Münzen mit der Aufschrift „Gallus“ befinden.
   
1938 Werbeln wird zur "Expositur" ernannt und damit zu einem eigenständigen Pfarreibezirk. Erster Seelsorger ist Kaplan Josef Karl Manderscheid.
   
1939 Als am 01. September der 2. Weltkrieg losbricht, wird wegen des bevorstehenden Angriffes auf Frankreich eine sogenannte „Rote Zone“ eingerichtet. Es handelt sich dabei um einen ca. 10 km breiten Streifen links der Saar. Alle Bewohner dieser Zone müssen die Gegend innerhalb von 48 Stunden verlassen und dürfen lediglich Handgepäck mitführen. 
   
1943 Rund um Werbeln sind durch Schanzarbeiten zahlreiche Panzer- und Laufgräben enstanden.
   
1944 Die Bevölkerung in der Region wird zum zweiten Mal evakuiert.
   
1945 Nach dem Ende des Krieges kehren die Einwohner aus der Evakuierung zurück und beginnen, in dem von größeren Schäden verschont gebliebenen Werbeln, den Neuanfang.
   
12.10.1946 Der Sportverein (Fußballverein) Werbeln wird gegründet.
   
30.07.1954 Die Bauarbeiten für eine neue, vierklassige Volksschule beginnen.
   
19.12.1954 Feierliche Einweihung der Marienkapelle Werbeln.
   
29.10.1955 Nach etwas mehr als einem Jahr Bauzeit wird an der neuen Schule der Lehrbetrieb aufgenommen.
   
1956 Der Tennisclub Werbeln (seit 2006 TC Werbeln-Schaffhausen) wird gegründet.
  Im gleichen Jahr werden bei Ausschachtungsarbeiten für das Haus Nr. 12 in der Hauptstraße (jetzt Ludweilerstraße) römische Fundamente und Ziegeln gefunden.
   
1960 Die Eisenbahnstrecke wird elektrifiziert und die bis dahin verwendeten Dampfloks außer Dienst gestellt.
   
1974 Durch die Gebiets- und Verwaltungsreform entsteht die Einheitsgemeinde Wadgassen mit den Ortsteilen Differten, Friedrichweiler, Hostenbach, Schaffhausen, Wadgassen und Werbeln.
   
1977 Gründung der Tischtennisgemeinschaft (TTG) Werbeln.
   
1984 Die "Schäferei" wird aus dem Gemeindebezirk Schaffhausen ausgegliedert und dem Gemeindebezirk Werbeln zugeordnet.
   
1992 Der Schienenpersonennahverkehr nach Werbeln wird eingestellt und durch Busbetrieb ersetzt. 
   
2007 Nach den Sommerferien nimmt die „Freiwillige Ganztagsschule Werbeln“ ihren Betrieb in den neu gebauten Räumen neben der Grundschule auf. 
   
   
   
   
   
 
Geschichte des Dorfes Werbeln
Chronik Werbeln Stand Mai 2014.pdf
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